Tankrabatt 2026: Die CDU tankt ihre Prinzipien – und wir zahlen den Preis
Es gibt Momente, in denen Politik so riecht, wie sie ist: nach Diesel. Und genau so ein Moment ist der Tankrabatt 2026.
Wegen einer neuen Krise im Nahen Osten schnellen die Spritpreise nach oben – und die CDU/CSU-SPD-Koalition hat eine Antwort parat: Energiesteuer runter, ab dem 1. Mai für zwei Monate, rund 17 Cent pro Liter. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche nennt das „schnell wirksam“ und „leicht verständlich“. Klar, wer liebt keinen Rabatt? Aber hinter dieser vermeintlich pragmatischen Geste steckt ein politisches Muster, das ich schon auswendig kenne: kurzfristiger Applaus, langfristige Schäden. Und besonders bitter: eine Partei, die heute bejubelt, was sie gestern verdammte.
Moment mal – hat die CDU das nicht schon mal anders gesehen?
Ja, hat sie. 2022 nannte Friedrich Merz den Tankrabatt der Ampel „Flickwerk“. Die CDU lehnte das Instrument damals ab: ineffizient, sozial ungerecht. Vier Jahre später feiert dieselbe Partei das gleiche Instrument als „entschlossene Krisenpolitik“. Kein Wort der Erklärung, warum das, was gestern falsch war, heute plötzlich richtig sein soll. Politisches Gedächtnis? Abgeschaltet. Prinzipien? Offenbar auf Reserve.
Ich will das nicht einfach durchgehen lassen. Wer so Politik macht, verliert das Wertvollste, was er hat: Vertrauen. Sofern da überhaupt noch etwas da war…
Wer profitiert eigentlich wirklich?
Das ist die Frage, die mich am meisten beschäftigt. Sechs bis acht Euro weniger pro Tankfüllung – klingt erstmal nach was. Aber: Wer viel fährt, spart mehr. Wer einen großen Tank hat, spart am meisten. Wer kein Auto besitzt, spart gar nichts. Elektroauto-Fahrende bekommen keinen Cent. Der ÖPNV wird nicht günstiger. Geringverdienende ohne Auto gehen komplett leer aus.
Selbst in der CDU ist man ehrlich genug, einzugestehen, dass „sozial ärmere Haushalte nicht zielgerichtet erreicht“ werden. Das klingt nüchtern – ist aber ein klares Eingeständnis: Diese Entlastung verteilt von unten nach oben.
Und dann noch das: Schon 2022 kam ein erheblicher Teil der Steuerentlastung gar nicht bei den Kundinnen und Kunden an. „Mitnahmeeffekte“ hießen die Schlagzeilen damals – gemeint war: Ein Stück der Ersparnis versickerte im Gewinn der Mineralölwirtschaft. Warum sollte das diesmal anders sein?
Fossile First – das ist der eigentliche Kurs
Katherina Reiche lehnt ein Tempolimit ab. Eine Übergewinnsteuer hält sie für verfassungsrechtlich fragwürdig. Einen Ausgleich für E-Mobilität oder den ÖPNV? Nicht vorgesehen.
Wenn sie sagt, der Tankrabatt sei vor allem „populär“ – dann klingt das für mich weniger nach Energiepolitik und mehr nach Kapitulation vor der eigenen Aufgabe. Das Ergebnis ist jedenfalls eindeutig: Wer weiter auf den Verbrenner setzt, wird belohnt. Wer umgestiegen ist, schaut in die Röhre. Wer aus Klimagründen weniger fährt, bekommt das Signal: Dein Verzicht interessiert uns nicht.
Und langfristig?
Preise sind Signale. Wenn der Staat Benzin künstlich verbilligt, sagt er damit: Verbrenner sind politisch erwünscht. Wer mit knappem Budget überlegt, ob das nächste Auto vielleicht elektrisch sein könnte, bekommt jetzt die Botschaft: Muss nicht sein. Wer auf Bus und Bahn angewiesen ist? Der zahlt weiter den vollen Ticketpreis.
Die Wissenschaft ist in diesem Punkt ziemlich einig – vom DIW bis zu Mobilitätsforschern. Das Instrument bremst die Verkehrswende, verlängert die Abhängigkeit von fossilen Energien und erhöht die Emissionen in der Gegenwart. Wer den Preis für Sprit künstlich senkt, verlängert die Abhängigkeit von Sprit. So einfach ist das.
Meine Meinung dazu
Es gibt Alternativen. Ein Mobilitätsgeld pro Kopf würde alle erreichen – mit Auto oder ohne. Günstigerer Strom an der Ladestation würde die Verkehrswende konkret voranbringen. Ein Tempolimit würde sofort wirken und kostet nichts – außer einem politischen Tabu. Das alles ist nicht so einfach zu erklären wie „17 Cent weniger pro Liter“, das stimmt. Aber es würde das Problem dort lösen, wo es entsteht.
Stattdessen kauft der Tankrabatt 2026 zwei Monate Ruhe – und verschenkt dabei zwei Jahre Fortschritt. Er ist Symbolpolitik mit Verfallsdatum. Und er ist das genaue Gegenteil von dem, was die CDU noch vor vier Jahren selbst gefordert hat.
Kurzfristige Popularität schlägt mal wieder langfristige Vernunft. Business as usual.


