re:publica 2026 – alle Jahre wieder

Seit 2011 bin ich dabei. Jedes Jahr, bis auf die beiden Remote-Versionen während Corona. Und damit sind wir auch schon beim Kern der Sache: Die Sessions sind nicht der Hauptgrund, warum ich zur re:publica fahre. Es ist der Austausch mit den Leuten.

Meine erste re:publica war 2011, Friedrich-Stadtpalast, damals noch zusammen mit der Kalkscheune. Social Media war generell sehr frisch damals, ich habe ziemlich schnell sehr nette Leute kennengelernt – und im Laufe der Jahre hat sich da eine lockere re:publica-Clique rausgebildet. Deswegen fahre ich eigentlich auch immer noch hin. Wegen der Gespräche, wegen der Menschen, wegen der guten Zeit.

Von 3.000 auf 30.000 – eine Konferenz wächst sich selbst davon

Zur Einordnung: Meine erste re:publica hatte knapp 3.000 Besucher bei rund 100 Sessions. Damals waren die Funkzellen so überlastet, dass in den Folgejahren extra Masten von Vodafone und Telekom aufgestellt werden mussten, weil sonst keiner Empfang hatte. Thematisch ging es damals vor allem um Blogs und Social Media.

Letztes Jahr: 30.000 Besucher, einige Hundert Sessions. Von Blogging und Social ist nur noch am Rande die Rede. Die re:publica ist viel politischer geworden – digitale Teilhabe, digitale Gesellschaft, Demokratie. Alles wichtige Themen, keine Frage. Aber auch nicht mehr das, wo sie herkommt.

Das ist auch einer der Gründe, warum ich mir seit Jahren kaum noch Sessions anschaue. Die Menge ist so umfangreich, dass ich schon bei der Planung erschlagen bin. Und dann sitzt man in einer Session mit interessantem Titel auf einer großen Bühne – und der Präsentierende kann leider genau das nicht: präsentieren. Gleichzeitig werden wirklich hochkarätige Speaker auf mittleren oder kleinen Stages weggesteckt, wo die Leute vor der Tür stehen und nicht mehr reinkommen. Und auf den großen Bühnen sind halb leere Stuhlreihen. Das ist dann schon etwas frustrierend.

Merkel, ein ARD-Mikro und eineinhalb Stunden Europa-Forum

Highlight des Montags war das Europa-Forum auf Stage 5. Ich schätze mal, da passen 400 bis 500 Leute rein. Die Session sollte um 13 Uhr anfangen – ich war um 11:30 Uhr da, habe Platz in der zweiten oder dritten Reihe bekommen, und kurz nach 12 Uhr war die Stage bis auf den letzten Platz besetzt.

Die Eröffnung war relativ kurzweilig, danach gab es eine Session mit Isabel Schayani und einem Historiker der Uni München über Europa, seine Geschichte und seine Zukunft. Die konnten beide das Publikum mitnehmen – gut gemacht, interessant, hat gepasst.

Dann war Angela Merkel dran, im Gespräch mit dem ARD-Hauptstadtbüroleiter – der offensichtlich schon so lange nicht mehr mit einem Mikro in der Hand gearbeitet hat, dass er es ständig hin und her gehalten hat, mal lauter, mal leiser. Leicht nervig, aber irgendwann hatte er es dann drin.

Danach noch eine Session mit den Hosts des 0630-Podcasts, schön in so einem WG-Küche-Setting aufgemacht. Auch ganz nett.

Was Merkel zu sagen hatte – und was nicht

Ich möchte gar nicht auf alles eingehen, nur ein paar Sachen rausheben, die ich bemerkenswert fand. Die Session ist sowieso im Netz zu finden.

Merkel hat zugegeben, dass es ein Fehler war, damals als sie in der Opposition war – Schröder war Kanzler, der Irak-Krieg das Thema – in einem Gastbeitrag in der Washington Post zu schreiben, dass Schröder nicht für alle Deutschen spreche. Im Nachgang betrachtet sei das falsch gewesen, weil man jemandem nicht so in den Rücken falle.

Was ich gut fand: Auf die Frage, wie man sich gegenüber der AfD aufstellen solle, sagte sie, man solle sich gar nicht gegenüber der AfD aufstellen – sondern bessere Lösungen anbieten. Mit eigenen Inhalten überzeugen, nicht mit dem Finger zeigen. Da hat sie grundsätzlich recht. Dass das in ihrer Partei gerade nicht so gut funktioniert, ist eine andere Geschichte.

Leicht enttäuschend: Beim Thema Vermögenssteuer blieb sie vage und ist nicht wirklich reingegangen – sie wusste wohl, dass das kein beliebtes Thema wird.

Aber unterm Strich: Das Interview war unterhaltsam, locker, entspannt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich die Frau mal vermissen würde. Beim aktuellen Angebot bekommt Merkels Art – kein Runtermachen des politischen Gegners, respektvolle Debatten, Fakten vor Stimmung – dann doch nochmal einen anderen Wert.

Stammtisch, Kneipe und der volle soziale Akku

Montagabend dann der Social-Media-Community-Manager-Stammtisch. Ich bin weder das eine noch das andere wirklich noch – aber die Kerntruppe ist da, also lasse ich mich da auch gerne blicken. Diesmal im Goldenen Handwerk, eine wirklich urgemütliche Berliner Kneipe. Schön draußen gesessen, viele Leute getroffen, die ich teilweise lange nicht gesehen habe, gute Gespräche, kalte Getränke. Einfach schön.

Doofe Sache: Es ist eine Raucherkneipe. Meine Klamotten haben gestunken wie sonst was.

Dienstag halb, Mittwoch gar nicht

Am Dienstag hatte sich dann auch schon genug Arbeit angesammelt, sodass ich bis mittags im Hotel gearbeitet habe. Danach zur re:publica, noch einen Call gemacht – und dann habe ich gemerkt, dass mein sozialer Akku ziemlich leer war. Der Montag hatte mich mehr zerlegt, als ich gedacht hatte. Viele Leute, Lautstärke, dazu das gute Wetter – was in den Hallen eben schlechte Luft bedeutet. Nach knapp zwei Stunden bin ich wieder gegangen. Vorher noch schnell das jährliche Foto mit der Maus gemacht, das muss halt sein. Dann zurück ins Hotel, einfach nur noch entspannt, früh ins Bett.

Mittwoch bin ich dann gar nicht mehr hingekommen – Eurowings hatte meinen Rückflug kurzerhand um 40 Minuten vorgezogen, was bedeutete, dass ich nach meinem Mittags-Call nicht mehr rechtzeitig zum Flughafen gekommen wäre. Also bin ich vorher schon gefahren und habe den Call von dort gemacht. Hat gut geklappt – aber damit hatte ich letztlich nur anderthalb Tage re:publica.

Trotzdem: Ich komme wieder

Was ich mir an Sessions anschaue? Wahrscheinlich ein, zwei, wo ich sage, da rennen eh alle hin. Ich habe mir zwar immer gesagt, die Sessions kann ich mir später auch auf YouTube anschauen – kann ich. Mache ich aber nie. Habe ich noch nie gemacht. Trotzdem sage ich es jedes Jahr. Wer kennt’s.

Letzten Endes geht es darum, den eigenen optimalen re:publica-Modus zu finden. Meiner ist: Leute treffen, Gespräche führen, Konferenz als Anlass nutzen. Und in dem Modus bin ich angekommen.

Ob sie noch die Bloggerkonferenz von früher ist? Nein. Ob sie aus dem Konferenzkalender wegzudenken ist? Auch nein. Zu wichtig die Themen, zu wertvoll das Netzwerk. Man sieht sich 2027.

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