Eigentlich wollte ich über Fronleichnam wegfahren. München hatte ich im Kopf, ein paar Leute besuchen, kurzer Trip. Dann hab ich angefangen, zu fragen, ob jemand Zeit hat – und festgestellt: alle weg. Hier weg, dort weg, überall weg. Stand ich also auf einmal mit einem freien Wochenende da, ohne Plan, ohne Programm, ohne Begleitung.
Na gut. Blind Booking schied aus, da ich nicht das ganze Wochenende unterwegs sein wollte. Irgendwo hin fliegen war auch nicht drin, da so kurzfristig die Flug- und insbesondere die Hotelpreise im „Langes-Wochenende“-Modus waren.
Mittwochabend also früh ins Bett, weil ich am Donnerstagmorgen tatsächlich um sieben beim Sport sein wollte. Hat geklappt. Interessantes Detail am Rande: Um sieben war es voller als sonst um sechs – bestimmt doppelt so viele Leute. Ob es am Wochenende auch immer so volll ist?
Nach dem Sport, Frühstück im Finkenkrug und schon mal ein paar aufgeschobene Mails sortiert – und dann bin ich nach Düsseldorf gefahren und hab mich für eine Nacht im 25hours Hotel einquartiert. Mehr dazu in meinem Reiseblog.
Offsite statt Homeoffice
Das mache ich ab und zu: einfach woanders hinfahren, um mal in Ruhe nachdenken zu können. Klingt vielleicht seltsam, aber wer zu Hause arbeitet, kennt wahrscheinlich das Problem. Kühlschrank. Fernseher. Irgendwas zieht immer. Und selbst im vertrauten Büro findet man immer eine Ablenkung, wenn man eine sucht.
Eine neue Umgebung zieht zwar auch kurz die Aufmerksamkeit auf sich – ist ja neu – aber dann ist da einfach nichts mehr. Keine Leute, die man kennt. Keine Routineablenkungen. Nur ein Tisch, ein Laptop und ein paar Sachen, die man schon länger durchdenken wollte. Da ich mir ein Konzeptzimmer gebucht hatte, gab es keinen Schreibtisch, aber eine gute Hotelbar. Da habe ich mich dann auch erstmal für zwei Stunden einquartiert und bin bei einem leckeren Drink und viel Wasser tatsächlich sehr produktiv gewesen.
Ich hab beispielsweise meine E-Residency-Registrierung finalisiert, die privaten Mails von >500 auf gut 30 runtergearbeitet (sehr viel gelöscht), dann die diversen Notizen-Apps mal aufgeräumt – wer mehrere davon hat, weiß, was das bedeutet. Und dann einfach in Ruhe über Themen nachgedacht: Leute, Gesundheit, Sport, Business, Reisen. Alles kommt auf die Liste – natürlich wird nichts direkt fertig, aber man hat wieder einen Stand, von dem aus man weiterarbeiten kann. Hier auch nochmal ein Lob an die Bar – aus dem 17. Stock hat man halt eine großartige Aussicht – da können Blick und Gedanken gleichermaßen schweifen.
So eine Offsite-Nummer tut mir gut. Das merke ich jedes Mal.
Gönnung verdient
Wer viel grübelt, darf sich danach auch was gönnen. Also ab ins Restaurant und dem Abend noch den passenden Abschluss geben. Auch das hat gut funktioniert.
Unter dem Strich: Grübeln und Gönnen. Beides passt gut zusammen. Und ich überlege schon, wo das nächste Offsite stattfinden wird.


