Urlaub auf Pump: Wenn Banken zum Schuldenmachen einladen
Irgendwann ist es so weit: Das Smartphone vibriert, eine Push-Nachricht von Revolut. „Gönn dir eine Auszeitmit einem Privatkredit.“ Man tippt weg, denkt nichts dabei. Aber eigentlich sollte man kurz innehalten und sich fragen: Was passiert da gerade eigentlich?
Von Easy Credit bis zur Sparkasse – alle machen mit
Früher war das Kreditangebot für Konsumdinge vor allem die Domäne von Easy Credit und ähnlichen Anbietern. Der Ruf war entsprechend. Heute ist es mitten in der Mitte angekommen. Revolut schickt Newsletter. Volksbanken, Sparkassen, Direktbanken – alle winken mit dem gleichen Versprechen: „3.000 Euro, kein Problem, schnell und unkompliziert.“ Für den Traumurlaub. Für den Fernseher. Für was auch immer gerade fehlt.
Das Problem ist nicht der Kredit an sich. Das Problem ist, wofür er geworben wird.

Sparen? Kennt man kaum noch.
Es gibt eine Fähigkeit, die früher selbstverständlich war: auf etwas hinzusparen. Man wollte verreisen, legte monatlich etwas beiseite, und irgendwann war das Geld da. Heute scheint dieser Gedanke vielen fremd zu sein. Warum warten, wenn man etwas sofort haben kann?
Das ist kein Fortschritt. Das ist eine Umgewöhnung – und keine gute.
Wer einmal einen Urlaubskredit aufnimmt und noch mitten in der Rückzahlung steckt, wenn die nächste Reisewerbung auftaucht, ist in einer Falle. Nicht dramatisch, nicht sofort. Aber still und leise. Besonders für Menschen mit kleinem Einkommen kann das schnell ungemütlich werden. Ein 2.000-Euro-Kredit für zwei Wochen Strand klingt harmlos. Die Zinsen danach klingen schon weniger gut.
Für Notfälle – nicht für Bedürfnisse
Ein Kredit für die kaputte Waschmaschine? Verständlich. Auto muss schnell repariert werden, der Kontostand gibt es gerade nicht her? Passt. Das sind echte Notlagen, in denen ein Kredit seinen Sinn hat.
Aber ein neuer 85-Zoll-Fernseher, der aussieht wie eine Videoleinwand aus der Arena auf Schalke? Oder zwei Wochen Mallorca, weil die Werbung gerade so schön war? Das ist kein Notfall. Das ist ein Wunsch. Und Wünsche kann man sich erarbeiten. Oder aufschieben. Beides ist keine Schande.
Banken wissen genau, was sie tun
Banken sind keine karitativen Einrichtungen – sie sind Unternehmen. Und Konsumkredite sind für sie ein gutes Geschäft. Zinsen fließen, Gebühren fallen an, der Kunde zahlt drauf. Das Modell funktioniert.
Was irritiert: dass auch Institute, die sich bürgernah geben, mitspielen. Sparkasse und Genossenschaftsbanken haben einen anderen Ruf als ein Onlineanbieter, der nur auf Marge aus ist. Wenn aber auch sie ihre Kunden mit Kreditangeboten für Reisen und Lifestyle-Käufe bewerben, dann hat sich etwas verschoben. Und nicht zum Besseren.
Wer kein solides Fundament im Umgang mit Geld hat, bekommt von diesen Angeboten keins. Der bekommt eine weitere Versuchung.
Fazit
Eine Push-Nachricht, die zum Urlaubskredit einlädt, ist kein Service. Es ist ein Geschäftsmodell auf Kosten derer, die es sich eigentlich nicht leisten können. Kredit für Konsum zu normalisieren, das ist keine Modernisierung des Bankwesens. Das ist schlicht verantwortungslos.


