Wer regelmäßig ein Fitnessstudio betritt, geht auf Expedition. Zwischen Eisenstangen, Hantelscheiben und Proteinshakes begegnet man Fitnessstudio Typen, die so absurd wirken, dass es Satire sein müsste. Ist es aber nicht. Sie sind echt. Hier kommen die legendären Gestalten, die jede Muckibude zur Bühne machen.
Die Fitnessstudio Typen – aus der Nähe betrachtet
Der Dauer-Telefonierer – Fitness meets Callcenter
Kaum durch die Tür, schon ist das Handy am Ohr. Zwischen Bizepscurls und Bankdrücken werden Geschäftsabschlüsse verhandelt, Familienprobleme gelöst und Freundeskreis-News verkündet. Der Ohrstöpsel scheint angewachsen, das Training ist Kulisse. Eigentlich bräuchte er eine eigene Kabine. Mit Schallschutz, versteht sich.
Der Gerätesammler – Alles meins!
Er blockiert drei Geräte gleichzeitig. Entweder wegen eines hochkomplexen Plans. Oder wegen ausgeprägtem Besitzdenken. Am Beinstrecker sitzt er. Auf dem Rudergerät liegt sein Handtuch. Auf dem Crosstrainer parkt die Flasche. Wer wagt, auch nur hinzuschauen, erntet den bösen Blick. Vielleicht trainiert er heimlich für „Monopoly: Fitnessstudio-Edition“.
Die Perfektionistin am Morgen – Vom Hochglanz ins Chaos
Sechs Uhr. Frisur sitzt, Make-up makellos, das Parfüm zieht eine Spur bis zum Squat-Rack. Zehn Minuten später: Windkanal trifft Sturmfriseur. Alles zerzaust, alles ehrlich. Und ja: Hut ab. Sie gibt wirklich alles.
Die Studioplauderer – Wer braucht schon Sport?
Immer da, nie am Trainieren. Sie stehen an der Theke, sitzen auf Bänken oder lehnen an Geräten, die sie nicht benutzen. Gesprächsthemen: alles außer Sport. Die eigentliche Übung ist hier das Dauergespräch. Vielleicht ein versteckter Kommunikationsmarathon.
Das Fanclub-Mitglied – Schwitzen für den Flirt
Er oder sie platziert sich in Sichtweite der Trainerin. Geräte werden nur genutzt, wenn sie gerade vorbeikommt. Fragen klingen motiviert: „Kannst du mir nochmal zeigen, wie das mit dem Sit-up geht?“ Sportliche Leistung zweitrangig. Hauptsache, der Puls steigt – aus anderen Gründen.
Die Knoblauch-Granate – Duftmarke des Grauens
Gestern war Griechisch. Heute schwitzen wir zusammen. Wer in der Nähe trainiert, hat entweder eine verstopfte Nase oder einen sehr starken Magen. Die Knoblauchwolke übertönt selbst alte Turnschuhe. Immerhin: Fitness stärkt das Immunsystem.
Die Selfie-Künstler – Instagram first, Training second
Sie kreisen vor dem Spiegel, blockieren Geräte für Fotos. Pose, Licht, noch eine Pose. Wer trainieren will, wartet. Hauptsache, das neue Bild sammelt Likes. Sport? Klar. Vielleicht später. Zu Hause. Eventuell.
Dann lieber so.
Wegen all dieser liebenswerten Fabelwesen gehe ich morgens um sechs. Da sind wir unter uns. Zehn Leute, ein Nicken, keine Worte. Training statt Theater. Reicht völlig.


