Letzte Woche bin ich über eine Nachricht gestolpert, die mich leider nicht verwundet hat. Meta, der Konzern hinter Facebook und Instagram, soll eine Studie zu den psychischen Auswirkungen von Social Media bewusst verschwiegen haben. Nicht einfach nur ignoriert, nein – aktiv gestoppt, um dem eigenen Geschäft nicht zu schaden. Schauen wir mal genauer drauf.
Die Sache läuft so: 2020 führte Meta das Forschungsprojekt „Project Mercury“ durch – interne Studien zur Wirkung ihrer eigenen Plattformen. Das Ergebnis war eindeutig: Nutzer, die eine Woche lang auf Facebook und Instagram verzichteten, berichteten signifikant weniger von Depressionen, Angstzuständen und sozialen Vergleichsdruck. Klingt nach einer wichtigen Erkenntnis, oder? Sollte man meinen, dass ein verantwortungsvoller Konzern so etwas öffentlich macht und überlegt, wie die Plattformen besser gestaltet werden können.
Hahaha, natürlich nicht. Die Veröffentlichung wurde gestoppt. Der offizielle Grund: methodische Mängel. Der echte Grund? Meta fürchtete einen Rückgang der Nutzerzahlen und damit sinkende Werbeeinnahmen. Gerichtsdokumente und Medienberichte legen das nahe.
Ich erinnere mich noch an die Anfangszeiten von Facebook und Instagram – da war noch Aufbruchsstimmung, Kreativität, freie Kommunikation. Heute? Heute scrolle ich durch Feeds, die mir nur noch Hass, Negativität und Polarisierung ins Gesicht werfen. Und damit bin ich nicht allein. Viele, die Social Media schon lange nutzen, berichten das gleiche. Die Plattformen fühlen sich einfach anstrengender an als früher. Das Alarmgefühl ist zum Standard geworden.
Eine der wichtigsten Funktionen am iPhone ist für mich mittlerweile das Zeitlimit für Facebook und Instagram. Nicht aus Spaß, sondern aus Selberschutz. Man muss sich regelrecht davor abhärten, nicht komplett vom Strudel negativer Inhalte mitgerissen zu werden.
Sagen wir, wie es ist. Aktuelle Forschungsergebnisse zeigen: Instagram und ähnliche Plattformen beeinträchtigen das Wohlbefinden von Jugendlichen – ganz besonders bei Mädchen und jungen Frauen – erheblich. Ein geleaktes internes Papier von Meta offenbart, dass ein signifikanter Anteil von Jugendlichen durch vergleichsbasierte Inhalte tatsächlich in ernsthafte psychische Krisen gerät. Die Zahlen sprechen Bände: 13% der Jugendlichen in Großbritannien und 6% in den USA entwickeln durch Social-Media-Stress sogar Suizidgedanken. Das ist nicht irgendein statistisches Phänomen – das sind echte junge Menschen, die leiden.
Besonders bei Mädchen: Mehr als die Hälfte bestätigt, dass Instagram ihre Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper verschärft. Beauty-Content, Influencer, perfekt inszenierte Leben – alles triggert Vergleiche, Selbstzweifel, Minderwertigkeit. Je länger die Nutzungsdauer, desto höher das Risiko für Schlafstörungen, Angstzustände und Depressionen. Das ist kein Zufall. Das ist Absicht – weil längere Nutzung bedeutet mehr Daten, mehr Werbung, mehr Geld in Metas Taschen.
Meta weiß bzw. wusste das. Die Konzernführung hatte die Studien. Sie wussten, dass ihre Produkte psychische Schäden anrichten – besonders bei Minderjährigen. Und trotzdem wurde „Project Mercury“ gestoppt. Nicht aus wissenschaftlichen Gründen, sondern aus kommerziellen. Der Schutz und das Wohlbefinden von Nutzern – gerade jungen Menschen – spielte keine Rolle, wenn es gegen die Rentabilität ging.
Offiziell bestreitet Meta das natürlich. „Methodische Mängel“, heißt es in den Pressemitteilungen. Aber die Kritik wächst. Immer mehr Menschen hinterfragen, wie ein Konzern mit einer solchen Verantwortung es einfach ignorieren kann, dass die eigenen Plattformen das Selbstwertgefühl von Millionen Jugendlichen zerstören. Die Parallelen zur Tabakindustrie sind erschreckend: Beide wussten von den Schäden, beide haben die Wahrheit bewusst zurückgehalten.
Ich weiß, dass ich mich nicht einfach von Social Media abkoppeln kann – beruflich geht es nicht, und auch privat sind da Freunde und Kontakte. Aber ich kann bewusst mit den Dingen umgehen. Zeitlimits setzen, Apps deinstallieren, die mir einfach nur Müll ins Hirn pumpen. Kritische Distanz. Bewusstsein dafür, dass der Influencer-Marketing-Apparat und die Algorithmen gezielt daran arbeiten, mich zu manipulieren und mich unzufrieden zu machen.
Social Media ist längst nicht mehr neutral. Es ist eine Industrie, die auf psychologischer Manipulation aufgebaut ist – und zwar bewusst. Meta wusste, dass ihre Produkte schaden. Sie hielten es geheim. Sie fürchteten sich vor Regulierung und sinkenden Nutzerzahlen mehr als vor dem Leid, das sie verursachen.
Der Druck für Regulierung wächst. Der Wunsch nach echtem Schutz für Nutzer – ganz besonders für Kinder und Jugendliche – wird lauter. Aber bis es so weit kommt? Bleibt nur eines: Selbstschutz. Bewusstsein. Kritische Distanz zu einer Industrie, die sich ihrer Verantwortung zu oft einfach entzieht. Und ja, berufsbedingt bin ich noch Teil des Systems. Etwas, das ich mir immer öfter vor Augen halte. Mal sehen.
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